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Geschichte
des Honigs
Imkerphilatelie - Teil 27
Der Urmensch hat bei seiner Suche nach
Essbarem sehr bald auch den Honig von Bienenvölkern entdeckt, zuweilen
wohl auf den Spuren der Bären.

Auf den Spuren der Bären
Wie wichtig später den
Steinzeitmenschen der Honig war, verrät eine Zeichnung in der Höhle von
La Aranas bei Valencia in Spanien. Man schätzt ihr Alter auf 16.000
Jahre. Ein Seil aus Pflanzenfasern musste erklettert werden, um die
Honigwaben der wilden Bienen zu finden. Die jagdbildliche Felszeichnung
ist als eine Bitte um erfolgreiches Honigsammeln zu interpretieren. Ähnliche
Zeichnungen in der Natur wurden auch in Afrika entdeckt .

Höhlenmalerei aus La Arana / Spanien
Die Heilkraft des Honigs kannten schon
die Sumerer vor 5000 Jahren, dann die alten Ägypter, die Türken, Inder,
Griechen. «Groß ist deine Schönheit, süß wie Honig», heißt der
Refrain in einem Liebeslied der Sumerer, dem Volk mit der ersten
Hochkultur der Weltgeschichte, 3. Jahrtausend v.Chr., Ort: Mesopotamien,
das fruchtbare Land zwischen Euphrat und Tigris. 1440 v.Chr. soll Moses
das Volk Israel in dieses Land geführt haben, «in das
Land, wo Milch und Honig fließen».
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| Israel
- "Land, wo Milch und Honig fließen" (5.Mose 8.8) |
Bei den Griechen war der Honig hoch
geschätzt. Als Spenderin des Honigs galt die Göttin Demeter. Zu Ehren
des Metgottes wurden in Korinth Spiele abgehalten, die den Olympischen
Spielen gleichwertig waren. Honig wurde geopfert, Met diente im
Totenkult. Melita, Honiginsel, hieß früher die Insel Malta, die von
Schiffen der Griechen angelaufen wurde. Der berühmte Philosoph
Aristoteles war ein erfolgreicher Imker und beschrieb in seinem Buch «Geschichte
der Tiere» die ersten Krankheitssymptome der Bienen. Er betonte, dass um
das vierte Jahrhundert vor Christus die ersten vollberuflichen Imker prächtigen
Honig einsammelten. Heute noch gehört Griechenland zu den Ländern mit
der höchsten Dichte an Bienenstöcken in der Welt.
Bei den Römern wird von Varro im 1.
Jahrhundert v.Chr. bis zu Palladius im 4. Jahrhundert n.Chr. bezeugt, dass
wohl auf keinem römischen Landgut die Bienenzucht fehlte. Sie war unerlässlich,
denn Honig war im Altertum der einzige Süßstoff, mit dem man Speisen süßen
konnte. Obwohl es in Indien Zuckerrohr gab, blieb der Honig bis ins späte
Mittelalter billiger und besser. Mit der Christianisierung gewann zudem
das Bienenwachs als Rohstoff für Kerzen an Bedeutung.

Fulda - Stadt der Kerzen
Viele Völker reden von einem
vergangenen «goldenen Zeitalter», auch die Inder. Honig erscheint in den
ärztlichen Rezepten für Heilnahrung und Medizin. In Indien genießt der
Honig noch heute so viel Ehre, dass ein Honiggefäß immer auf der rechten
Seite - dem bevorzugten Platz - stehen raus. Und dies im Lande des
Zuckerrohrs! Mit Honig darf der zur höchsten Kaste gehörende Brahmane
auch in Notzeiten keinen Handel treiben.
Ein großer Förderer der Bienenzucht
war Karl der Grosse. Um 800 verordnete der Frankenkönig, dass in jedem
Musterbetrieb Bienenzüchter und Methersteller vorhanden sein müssen
und errichtete Korbimkereien auf seinen Krongütern. Honig und Wachs
sollten in reichlichem Maß gewonnen werden; beides wurde für die königliche
Hofhaltung gebraucht. Auch Honigweine waren beliebte und häufig
konsumierte Getränke. In den damaligen Bestandesaufnahmen von Klöstern
und Pfalzen wurden die Bienenvölker und Imker genau vermerkt, denn
Bienenhaltung war einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. In den
Annalen wurden gute und schlechte Honigjahre festgehalten. Honig war in
ganz Europa ein wichtiger Handelsartikel. Vor allem die Klöster
verbreiteten die Imkerei und verpachteten Grund und Boden nur unter der
Bedingung, dass der Pächter darauf Bienenhaltung betrieb. Für Schutz und
Pacht musste ein Zins in Wachs oder Wachskerzen abgegeben werden. Auch ein
Bienen- und ein Honigzehnt sind überliefert. Vor dem Dreißigjährigen
Krieg mussten auch kleinere Ortschaften jährlich viele Zentner Honig und
Wachs ihrer Obrigkeit abliefern.

Sonderstempel von Aachen zum Gedenken
Karl des Grossen.
Er verordnete "Jedes Mustergut muss einen Imker und Methersteller
haben"
Jahrtausendelang blieb Honig der einzige
Süßstoff und hatte eine große Bedeutung wegen seiner gesundheitsfördernden
Wirkung. Im 3. Jahrhundert n.Chr. lernten die Inder den Saft des
Zuckerrohrs einzudicken, zu schleudern und in eine transportfähige Masse
zu verwandeln. Die Perser kamen darauf, wie man diesen Zucker raffiniert.
Mittelpunkt der Fabrikation wurde Ägypten. Das Zuckerrohr kam nach
Mesopotamien und Spanien, anfangs 15. Jahrhundert nach Madeira und
Sizilien, um 1420 auf die Kanarischen Inseln. Damit war die Entwicklung
des Zuckerrohranbaus in der Alten Welt abgeschlossen, nahezu konkurrenzlos
zum Bienenhonig. Die Situation änderte sich nun aber rasch. Auf seiner
zweiten Reise 1493 brachte Kolumbus das Zuckerrohr aus Amerika. Der
billige Zucker aus den neu errichteten Plantagen Zentralamerikas und
Brasiliens konkurrenzierte die europäische Bienenhaltung, denn als Süßstoff
vermochte der Honig der billigen portugiesischen Melasse nicht standhalten.
Die Reformation verminderte zudem den Wachsbedarf. Bienenhaltung wurde zum
scheinbaren Nebennutzen der Landwirtschaft. Ansätze betrieblicher
Verbesserungen behinderte der Dreißigjährige Krieg. Der bewegliche
Wabenbau durch den blinden Genfer Forscher Huber (1792), die Kunstwaben
durch Mehrung (1858) und die Honigschleuder durch Hruschka (1865) waren ertragsmäßig
sicher förderlich. Aber dann kam der Rübenzucker! 1747
gelang es dem Berliner Chemiker Andreas Sigismund Marggraf, aus Mangold,
Zuckerwurzel und Runkelrübe Zucker zu gewinnen. 1821 entstand die erste
Zuckerrübenfabrik in Schlesien.

Erste Zuckermühle Europas auf
Madeira |

Stilistische Darstellung
der Bienenzucht und Honiggewinnung |

Welternährungstag
Biene, Wabe, Magazin |
Durch züchterische Verbesserungen der
Zuckerrübe brauchte es schon 1910 viermal weniger Rüben für die
gleiche Menge Zucker als 1821. Außerdem schossen die Rohrzuckerfabriken
in Europa unter dem großen Angebot an Rohstoff im Laufe des 19.
Jahrhunderts geradezu aus dem Boden. Zucker wurde in den
industrialisierten Ländern ein billiges, jedermann zugängliches
Nahrungsmittel und hat den Honig als Süßmittel längst verdrängt.

Bildganzsache aus der Sowjetunion
von 1981 zeigt die Steigerung der Rübenerträge
In den Entwicklungsländern ist Honig
nach wie vor begehrt und zum Teil eine wertvolle Handelsware. Bei den
Gurungs in Nepal gibt es sogar heute noch Honigjäger mit bemerkenswert ähnlichen
Methoden wie die Höhlenzeichnungen aus der Steinzeit in Spanien, Südafrika
und Indien darstellen. Mittels Strickleitern steigen die Honigjäger an
den Felsen herab und zerstören ganze Kolonien. Die dortige Biene Apis
laboriosa gibt eine sehr große Ausbeute. Und bei uns? Ist Honig nicht
doch mehr als nur ein Nahrungsmittel? Hatten all die Völker während
Jahrtausenden unrecht, wenn sie im Honig etwas ganz Besonderes sahen ?
Aus
"Insektenkurier", Heft 47
mit freundlicher Genehmigung der ArGe "Entomologie"
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