Mauterndorf: Die Herren von Grimming


Seit Ende des 15. Jahrhunderts scheint das Geschlecht der Grimming in Mauterndorf auf. Ihre Geltung verdankten sie ihrer Stellung im öffentlichen Leben, ihrem Adel und ihrem Besitz, in dem auch der Bergbau eine Rolle spielte. Sie betrieben Hüttrauchöfen in Muhr, besaßen eine Schmiede und einen Hammer in Mauterndorf.

Ihren Hauptsitz hatten sie auf Schloss Niederrain bei Mariapfarr, das von 1677 bis 1771 in ihren Händen war. Im 16. Jahrhundert gehörten ihnen auch in Tamsweg mehrere Güter.

In Mauterndorf waren die Herren von Grimming als domkapitlische Pfleger eingesetzt, teils übten sie auch das Amt des landesfürstlichen Pflegers in Moosham aus und bekleideten andere Ämter.

Als ihr Hauptsitz ist das „Grimminghaus", das heutige Hotel Post (Nr. 85) anzusehen, das mit einem Rittersaal von gediegener Schönheit ausgestattet war. Die kunstvolle Holzdecke wurde 1860 um 600 Gulden nach Wien verkauft, der rote Marmorkamin mit dem Grimmingwappen und der Jahreszahl 1672 wanderte zusammen mit den Fenstergittern nach Schloss Moosham, wo sie im Rittersaal eingesetzt wurden. 

Der einstige Treppengiebel und der gesamte rückwärtige Gebäudetrakt wurden damals abgetragen. Daneben gehörte zum Mauterndorfer Besitz der Grimming auch das ehemalige Postgebäude (Nr. 84), das Gugg- bzw. Hoogstoelhaus (Nr. 83) und der oft genannte „Bäumegarten", wohl ein Relikt aus gotischer Zeit.

Für das Jahr 1740 scheinen die Grimming letztmalig in öffentlicher Stellung im Markt Mauterndorf auf. Ein langes Nachleben bewahrten ihnen ihre reichen Stiftungen und Grabstätten. Maria Elisabeth von Grimming, 1669 gestorben, liegt als Stifterin in der 1642 von ihr erbauten Wolfgangkirche begraben. In der Gruft neben ihr sind drei weitere Familienmitglieder bestattet. In St. Gertraud erinnert der älteste Grimming-Grabstein an den 1513 verstorbenen Caspar Grimming. Eine steinerne Wandtafel erinnert an „Alexander Grimming von Niederrain, hf. Vicedom und Pfleger der Herrschaft Moshaim 1619."

Nach dem Aussterben der wohlhabenden Herren von Grimming im Jahr 1740 wechselte ihr Stammsitz, das spätere „Hotel zur Post" (Nr. 85) mehrfach den Besitzer, bis es 1893 der Hotelier Ernst Mayr aus Wien ankaufte und wieder in Aufschwung brachte.


Das Grimminghaus (Hotel Post) nach einer der
ältesten Ansichten von Mauterndorf (vermutlich vor 1880)

Burgfried und Burgstall: Marktleben mit Knappenhäusern

Im 16. Jahrhundert hatte der als „Burgfried" angelegte Markt Mauterndorf mehr Einwohner als heute. Verwalter von Bergbaubetrieben, die ortsfremde Gewer-ken, etwa die Weitmoser oder eine Gesellschaft vertraten, Amtspersonen, Gewerken, Knappen und dazu die Handwerker und Gewerbetreibenden, die an die 36 verschiedene Berufsgruppen stellten, gaben dem Marktleben ein buntes und gewiss auch selbstbewusstes Gepräge.

Am Burgstall, also hinter dem Gemeindeamtsgebäude (Nr. 52), standen ursprünglich zahlreiche Knappenhäuser, die dem Marktbrand von 1726 zum Opfer fielen. Ihre Mauerreste finden sich heute in den Einfriedungen der Gärten. Auch der alte Pfarrhof (heute Nr. 50) wurde damals ein Raub der Flammen, mit vernichtet wurden viele Urkunden aus alter Zeit. Eines dieser alten Gewerkenhäuser steht aber noch, das jetzige Wohnhaus der Familie Neubacher (vorm. Matthias Eßl) mit dem gotischen Fresko und Fialenschmuck.
Die Knappen waren drei bis vier Tage in den Bergwerken beschäftigt und konnten nach ihrer Ablöse wiederum drei bis vier Tage bei ihrer Familie in Mauterndorf verbringen.
Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) verschwanden die kleineren Gewerken, nur noch die geldkräftigen Jocher, kurzzeitig auch die Grimming, konnten die Bergbaubetriebe noch halten. Die letzten Gewerken waren Raymund und Josef Wallner, ersterer ein Gastgeb in Mauterndorf.

Der Bergbau war durch sinkende Ergiebigkeit, die weiten Wege und Konkurrenz aus der Neuen Welt unrentabel geworden. Die Erze wurden vielfach im Winter mittels Sackzuges zur Straße gebracht. Aus Schweinshäuten genähte Säcke wurden mit Erzen befüllt und in zusammengebundener Reihe in einer Schneerinne zu Tal befördert. Das Lösen des Gesteines geschah im Lungau bis ins 18. Jahrhundert durch Brandsetzung.


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