Das Mooshamer Sagenzimmer
| Hans Graf Wilczek, Forschungsreisender und Förderer von Kunst und Wissenschaft, 1837 in Wien geboren, erwarb 1885 das damals heruntergekommene Schloß Moosham und hat für seine Restaurierungstätigkeit den malerischen "Halbwahrheiten der Sage" neues, romantisches Leben eingehaucht. |
|
|
|
|
|
Die beträchtlichen Sammlungen zur Volkskunst, die er im Schloß unterbrachte, ergänzte er durch ein "Sagenzimmer", wo eine Serie von fünf Gemälden (Öl auf Leinwand) mit den Mythen des Ortes bekannt macht. "Das Gelöbnis des Ritters von Tannhausen", "Sigmund von Moosheim", "Die Blutschande", "Die feindlichen Brüder von Moosham" und "Die vier Wölfe" vermitteln neben ihrem erzählerischen Kern auch hervorragende Landschaftskunst im Stil der historisierenden Spätromantik. [ zu den Gemälden ] Für Richard Benno Adam (1873 – 1937), Sohn einer vielbeschäftigten Münchner Malerdynastie, der als Pferdemaler für europäische Adelshäuser arrivierte, war dies der erste bedeutende Kunstauftrag gewesen. Das märchenhaft verwunschene Genre, dem der Zyklus verpflichtet ist, schließt an die großen Vorbilder romantischer Geschichtsbetrachtung an, also an Moritz von Schwind, Ludwig Schwanthaler, Adrian Ludwig Richter, Ferdinand Schnorr von Carolsfeld oder Ludwig Emil Grimm, den jüngsten der Grimm-Brüder. Für die vergleichsweise kleine Welt von Moosham hatte dieser Wandschmuck, der mit einer wunderbaren Zirbenholztäfelung verbunden ist, aber nicht nur den Zweck unterhaltsamer Dekorationskunst. Mit den legendären Begebenheiten, die hier abgebildet sind, wurde eine Vergangenheit wachgerufen, als die Bewohner des Lungaus mit gemischten Gefühlen aus Scheu, Furcht und Bewunderung auf das "Gschloß" geblickt hatten, immer in Erwartung von etwas Ungeheurem und Übermächtigem.
|
|
|
|
Schloß Moosham, auf einer Felsrippe an der besonnten Talseite hoch über dem Murboden gelegen, ist seit 1212 urkundlich erwähnt. Das Geschlecht der Moosheimer selbst mußte diesen Besitz bereits 1285 aufgeben, und von der Regierungszeit des Erzbischofs Matthäus Lang bis zu Hieronymus Colloredo im Jahr 1790 war hier der Lungauer Verwaltungssitz des Erzstiftes Salzburg. |
|
Hier liefen in Registratur, Amtsstube und Archiv, im einstigen Hexenturm, in der Folterkammer und im Schindergraben die Fäden des Machtgefüges zusammen, das in der Gestalt des Pflegers seine Spitze hatte. Was immer in der Geschichte des Lungaus Bewegendes geschah, war mit Moosham verknüpft. |
|

[ zur virtuellen
Schloßführung von Sven Haarmann ]
|
Lungauer Sagenwelt |