Das Mosermandl

Wo heute der Zederhausener Hausberg, das Mosermandl, stolz zum Himmel ragt, war vor vielen hundert Jahren ein riesiges Hochmoor. Es gab dort viele heimtückische Sumpflöcher, in denen man hilflos versank. Darum traute sich kein Mensch in diese Gegend. Nur ab und zu geriet ein Tier dorthin und musste armselig zugrunde gehen. Außerdem treib dort ein Geist sein Unwesen. Es war der "Herr des Mooses".

Das kleine Männchen war sehr mächtig, aber auch gutmütig. Wenn sich von den benachbarten Almen ein Tier in das Hochmoor verirrte, brauchten die Halterbuben nur zu rufen:

"Herr des Mooses, bitte sehr,
Treib´ mir mein Almvieh wieder her !"

Und schon bekamen sie das Tier gesund zurück. Man durfte nur nicht vergessen sich danach zu bedanken mit dem Spruch:

"Herr des Mooses, herzlichen Dank,
vor der Hütte steht Speiß und Trank."

Wenn man darauf vergaß, oder wenn man dann keine Jause vor der Almhütte stellte, verschwand das Tier für immer. Manchmal konnten die Almleute das Männlein beobachten, wenn es die versprochene Jause abholte, und sagten dann oft: "Das Moos-Mandl war schon wieder da." Sie wussten ja nicht, dass der "Herr des Mooses" den Namen "Moos-Mandl" überhaupt nicht vertragen konnte. Das sonst so gutmütige Männchen zersprang fast vor Wut, wenn es diesen Namen hörte.

Einmal kam ein neuer Halterbub auf die Alm. Er hörte bald die sonderbaren Geschichten vom "Moos-Mandl" und wie man sich verhalten musste, wenn sich ein Tier in das Hochmoor verirrte. Tatsächlich war bald darauf eines der Tiere, die er hüten musste, im Moor verschwunden. In seiner Aufregung vergaß er, wie man das "Moos-Mandl" ansprechen musste. Er rief daher laut:

"Moos-Mandl, bitte sehr,
Treib´ mir mein Almvieh wieder her !"

Da begann plötzlich ein heftiger Sturm und alle Almtiere kamen mit lautem Geplärr daher, liefen auf das Hochmoor zu und verschwanden darin. Aus dem Moor ertönte aber eine so laute Stimme, dass die ganze Umgebung bebte:

"Elender Wurm, mein Zaubersturm
macht Stein aus dir und dem Getier."

Kaum war die Stimme verklungen, da begann das Moor zu kochen und daraus erhob sich sich der Herr des Moores in seiner Riesengestalt. In seinen Armen hielt er alle gefangenen Tiere. Auch der Halterbub wurde wie von einer Riesenfaust aufgehoben und er spürte, wie er plötzlich ganz starr und kalt wurde. Der Herr des Mooses und seine Beute verwandelten sich in ein mächtiges Felsmassiv, da die Leute wegen seines Ursprungs bald "Moos-Mandl" nannten. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit sein heutiger Name, nämlich "Mosermandl".


gemalt von Robert B., 4.Klasse

Aus dem Buch "Neue Sagen aus Zederhaus" 

 

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